Besondere Bedingungen beim Anlagenbau  - hep

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Beson­de­re Bedin­gun­gen beim Anlagenbau 

Nov 4, 2019

Ein Inter­view mit Mat­thi­as Hamann

Im August 2018 reis­ten Mat­thi­as Hamann, Lei­ter Anla­gen­bau, und Mar­cus Mook vom schwä­bi­schen Güg­lin­gen ins west­afri­ka­ni­sche Bur­ki­na Faso, um die Gege­ben­hei­ten zu erkun­den. Mit einem Kof­fer voll Ein­drü­cken und eini­gen Mücken­sti­chen am Kör­per mach­ten sich die bei­den an die Pla­nung, um dann im Febru­ar 2019 rund 1.500 Kilo­gramm Mate­ri­al über die Nie­der­lan­de und Spa­ni­en nach Bur­ki­na Faso zu ver­schif­fen. Dort bau­ten sie gemein­sam mit loka­len Hel­fern inner­halb von zwei Wochen eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf, die seit Juli 2019 den Bil­dungs­cam­pus mit Solar­ener­gie versorgt.

Wie lief der Mate­ri­al­trans­port nach Bur­ki­na Faso ab?

Das war Spitz auf Knopf, die Con­tai­ner sind gera­de noch recht­zei­tig ange­kom­men. Wir haben mit einer deut­schen Spe­di­ti­on zusam­men­ge­ar­bei­tet, die wir gut ken­nen. Die­se hat uns wei­ter-ver­mit­telt an eine zwei­te Spe­di­ti­on, in der ein Ange­stell­ter aus Bur­ki­na Faso arbei­tet. Der wie­der­um hat die Koor­di­na­ti­on mit dem Zoll und den Fah­rern übernommen.

Zum Zeit­punkt mei­ner Lan­dung waren die Con­tai­ner noch nicht ein­ge­trof­fen und nie­mand konn­te genau sagen wann sie ein­tref­fen wür­den. Erst zwei Tage spä­ter konn­ten wir sie beim Zoll in Emp­fang neh­men. Bis dato hat­ten sie eine zwei­mo­na­ti­ge Rei­se über Rot­ter­dam und Togo hin­ter sich. Zwi­schen­zeit­lich hat­ten wir immer mal wie­der den Kon­takt zum Trans­port ver­lo­ren. Man wuss­te nie genau, wo genau das Mate­ri­al gera­de steckt und ob es ankom­men wird. Das war hoch­in­ter­es­sant und natür­lich sehr auf­re­gend. Let­zen Endes ist Gott sei Dank alles gut gegangen.

„Die Rei­se war ins­ge­samt ein reines
Abenteuer“ 

Wie habt ihr auf der Bau­stel­le gearbeitet?

Das lief alles von Hand ab. Beim Bau wur­de unser sechs­köp­fi­ges Team von loka­len Arbei­tern unter­stützt. Zusam­men haben wir die Con­tai­ner mit Mus­kel­kraft ausgeladen.

Ein Bat­te­rieblock einer Solar­an­la­ge wiegt
ca. 72 Kg. Die Solar­an­la­ge in Bur­ki­na Faso
besteht aus insg. 140 Batterieblöcken. 

Dar­un­ter waren auch 140 Bat­te­rie­blö­cke, von denen einer 72 kg wiegt. Die­se bei einer Tem­pe­ra­tur von 45 Grad vom LKW zu heben war schon eine Haus­num­mer. Des­halb haben unse­re Tage teil­wei­se mit dem Son­nen­auf­gang um vier Uhr mor­gens begonnen.

Was habt ihr wäh­rend eurer Rei­se noch erlebt?

Der Archi­tekt Fran­cis Kéré hat uns einen Tag mit­ge­nom­men, um uns ein von ihm gebau­te Kli­nik anzu­schau­en. Fünf Stun­den Fahrt auf Holz­bän­ken in einem Pick-Up und nur über Schot­ter­pis­ten, heiß und stau­big war das. In dem Dorf haben wir in einer loka­len Dorf­knei­pe einen Ham­mel­ein­topf geges­sen. Wäh­rend­des­sen ist an uns ein LKW mit einer Schaf­s­her­de auf der offe­nen Lade­flä­che vor­bei­ge­fah­ren. Das war ein inten­si­ves Erleb­nis. Die Rei­se war ins­ge­samt ein rei­nes Abenteuer.

Was ist dann passiert?

Nach zehn Tagen sind wir dann nach Deutsch­land zurück-gekehrt und kur­ze Zeit spä­ter noch ein­mal zurück, um den Bat­te­rie­spei­cher auf­zu­bau­en. Danach konn­ten wir die Anla­ge in Betrieb nehmen.

Wer küm­mert sich vor Ort um die Anla­ge und woher kom­men die Ersatzteile?

Wir haben einen Tech­ni­ker aus dem Dorf ange­stellt, der die Modu­le vom roten Sand rei­nigt. Bei unse­rer Abrei­se haben wir einen Vor­rat an Ersatz­tei­le zurück­ge­las­sen. Solar­an­la­gen sind gene­rell sehr robust und war­tungs­arm. Das ist nicht das Pro­blem, das bekom­men sie hin. Außer­dem sind im regel­mä­ßi­gen Aus­tausch mit unse­ren Ansprech­part­nern vor Ort. Falls Unter­stüt­zung benö­tigt wird, mel­den sie sich und wir hel­fen ger­ne weiter.

Wie geht es weiter?

Die Offen­heit und die Freund­lich­keit der Leu­te und die Atmo­sphä­re haben uns sehr beein­druckt. Das Enga­ge­ment wer­den wir auf jeden Fall fort­füh­ren. Wir haben ja jetzt die Kon­tak­te vor Ort und bei der Spe­di­ti­on. Der Bedarf und das Inter­es­se an erneu­er­ba­ren Ener­gien, ins­be­son­de­re an Solar ist im Land riesig.